Stühle, die man nicht besitzen darf

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg veran­staltet gerade eine Sonderausstellung zum Thema »Stuhl«. Nette Idee, einen Gebrauchsgegenstand in historischer Entwicklung vor­zu­stellen. In den Räumen, in denen cirka »100 Exponate« aus­ge­stellt sind, finden sich interessante Beispiele von Industrie­design bis Kunstvorschlag. Jede der ausgestellten »Design­klassiker« verbirgt eine eigene Geschichte von Vorstellungen und Epochen, die es lohnt, zu erforschen.

Davon wird allerdings nicht viel hergezeigt. Auch vergleichende oder kontrastierende Stellung—denkbar wäre zum Beispiel ein Barockstuhl neben modernen Gestühl—gibt es nicht. Schön allerdings die zaghafte Begleitung mit Designgegenständen derselben Zeit wie beispielsweise Lampen. Auch Gruppenbildungen tauchen auf. Da sind eine Reihe Kinderstühle. Bei einigen bedauert man, dass diese nicht für Erwachsene hergestellt werden, bei anderen eher nicht (»Triptrap«). Es macht Spass, die Räume mit den sehr gut abgestimmten und korrespondierend farbigen Hintergründen zu durchwandern und die verschiedenen Modelle zu bestaunen.

Als was soll man das bezeichnen?

Sehenswert ist der informierende Film im Treppenhaus vor der Ausstellung. In Flash-Ästhetik wischen die Bilder und Typo flott über die Leinwand. Bildeinsatz im Stil der 70er illustrieren. Eine Hamburger Produktion, wenn ich mich nicht täusche und wahrscheinlich ob des mageren Etats der Hansestadt erstaunlich gut gestyled. Macht Spaß.

Beispiel für Infografik Animationsfilm

Natürlich kann man sich in gemütliche Sitzecken fläzen oder auf Hockern zuschauen.

Kinder Delight

Kinder Delight

Ich halte nicht viel davon, industriell gefertigte Alltagsgegenstände zum Kunstobjekt zu stilisieren. Überall hängen bitte »nicht berühren« Schilder herum. »Objekte« unter Plexiglaskuppeln. Und das für Sitzgelegenheiten! Wie kann man den Wert eines Stuhles nur durch Anschauung ermessen? Klar, wenn sich 10.000 Besucher auf die Stühle setzen, werden die bald unansehnlich. Mit einem leicht leeren Gefühl verlässt man die Ausstellung. Man hat die Gelegenheit, sich in der reich sortierten Buchhandlung am Ausgang zu trösten. Dort findet sich eine kleine Überraschung, auf die man die ganze Zeit gewartet hat. Ein Rudel Stühle wartet aufs Ausprobieren! Man muss fast anstehen, um Platz zu bekommen. Es lohnt sich. Von ganz modern bis zu archaisch erlebt man unter­schied­liche Sitzgefühle. Eine Abstimmung zu Ermittlung der besten Sitz­gelegen­heit kann abschließend vorgenommen werden.

Kindersitzgruppe

Kindersitzgruppe von oben gesehen

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