Need 4 Speed

Seit nicht allzu langer Zeit werden Websites fleissig nach Google Specs (ergo Suchalgorithmen) auf Geschwindigkeit getrimmt. Schnelle Lade­ge­schwindigkeit = gutes SEO = gutes Ranking rechnet die Google Formel. Der Usability-Pabst Jakob Nielsen hat heraus­ge­funden, dass Geschwin­dig­keit einer Site zudem einen Eigenwert darstellt. Besuchen Sie probeweise seine Site: kriegen Sie dabei einen Schock wegen mangelnder Gestaltung (das ist nicht Minimalismus) oder wegen purer Informationsfülle?

Es soll immer noch schnell sein und bleiben

Nielsen konstaniert, dass sich seit 1994 alle Kunden wiederholt nur eines gewünscht hätten: schnellere Seiten. Die Jahreszahl hat Bezug auf die Ursuppe der Internet-Entstehungszeit. Damals gab es langsame Internet-Über­tra­gungs­zeiten (www = world wide wait…). Auch die Verbesserung der Website-Optik in Entschädigung für längere Ladezeiten wird User nicht umstimmen. User wollen einfach nicht länger warten, ob die Site nun besonders gut aussieht oder nicht. Nielsen geht von einer akzeptablen Grenze der Reaktionszeit (Response time) einer Site von unter 1 Sekunde aus. Diese Seite hier verbraucht für halbwegs verständliches Aussehen ungefähr 700 bis 800 Millisekunden (leider mit Latenzzeiten von bis zu 300 ms für Scripte), was gerade noch geht. Die absolute Grenze, bis zu der ein Mensch auf Kommu­ni­­ka­tions­­an­zeichen wartet (= Antwortzeit eines Programms oder eines Gegenübers), liegt für Nielsen bei 10 Sekunden.

Zeit hat Ihre Grenzen

Nielsen legt auf Basis von 40 Jahren Verhaltensforschung grundsätzlich drei Grenz­zeiten (3 response-time limits) fest:

  1. Unter 0,1 Sekunden Reaktionszeit hat ein User noch den Eindruck einer un­mittel­baren Kommunikation, so wie es beispielsweise in einem Gespräch zu erleben ist.
  2. Bis zu 1 Sekunde ist alles im Lot. Der Benutzer weiss, dass das System dran ist und auf Anfragen direkt reagiert. Wenn es um die Navigation geht, dann ist das die maximale Verzögerungszeit, die noch ertragen wird.
  3. Im Zeitraum von 1 bis 10 Sekunden ist der User noch irgendwie dran und muss gerade ein unfunktionales System ertragen. Er hofft, dass sich das Warten am Ende lohnt, sonst hätte er sich weiter geklickt. Der Wunsch, dass sich alles etwas schneller bewegen müsste, steht ständig im Vordergrund.

Konsequenz zu langer Ladezeiten

Nur ein paar Sekunden

Wer mag schon bis zur Hälfte seines Umsatzes verlieren, behauptet Nielsen, wegen »ein paar Sekunden Wartezeit« zuviel? Er führt ein extremes, aber einleuchtendes Beispiel an. Auf einer Site gibt es einen aufwendigen Slider im Bannerbereich, auf den User bis zu 8 Sekunden warten müssen, damit überhaupt etwas zu sehen ist. In der Zwischenzeit, so ergibt die Auswertung der Heatmap, irren die User im sinnlos unteren Bereich der Site daher und verlieren kostbare Zeit, bis die werblichen Aussagen kommen.

Ernsthafte Konsequenzen

Laut Forrester Research Forschung stoppen fast die Hälfte der User den Ladevorgang, wenn eine Website Ladezeiten von mehr als drei Sekunden braucht! Cirka 80% aller Besucher würden die betreffende Website nur mit geringer Wahrscheinlichkeit noch einmal besuchen. 64% der Käufer erwerben ein gesuchte Produkt dann bei einem anderen Online Shop.

Fancy Widgets machen alles schlimmer

AJAX sei Dank und Coda/jQuery als Gehilfe muss das heutzutage nicht mehr sein. Dennoch gibt es viele Kunden, die sich auf diese Gadgets (Nielsen: »fancy widgets«) stürzen und pauschal auf die bewegten Bilder bestehen. Die angestrengten Bemühungen der Developer im Hintergrund, die Siteoptimierung betreiben, um so etwas im Rahmen zu halten, bleiben unerkannt. Es gibt es schon spezielle Plugins für Content Management Systeme. Sie werden nur installiert, um gerade auf den DAU-Redakteur warten, der das System sonst mit unpassend grossen Fotos belasten würde. Wer kennt das nicht, wenn so 10 MB große Fotos auf die Site gepastet werden, damit ja die letzten Qualitäten einer scharfen Aufnahme erkennbar bleiben? Ob User dadurch eher abge­schreckt werden, scheint diesen Schöngeistern nicht bewußt zu sein.

Grenzen durch Gewicht einer Site

Eine normale Site sollte ein Dateiengewicht von 50 bis 80 KB nicht überschreiten. Ein Modemnutzer mit ISDN-Anschluss kämpft selbst dann mit bis zu 10 Sekunden-, ein DSL1000 mit bis zu 2 Sekunden Wartezeit. Größere Portalseiten oder Onlineshops kommen oft darüber, werden gerade akzeptiert. Viel Potential ergibt sich durch umsichtige Optimierung und Verkleinerung der Bilder, Verringerung des Anteils, Einsatz von Sprites. Eine gründliche Optimierung einer Site ist unter Umständen ähnlich aufwendig wie die gesamte Programmierung.

Weiterführende Links

  1. Online-Tester Ladezeit für Website.
  2. Googles geänderter Algorithmus bevorzugt neuerdings Hochwertiges.
  3. Hoffnung ist in Sicht, Nielsen sieht auch Fortschritte.
  4. Tipps zur Erhöhung der Websitespeeds.
  5. 10 grundlegende Tipps zu Verbesserung der Ladezeit.

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