10 Prinzipien guten (Web)Designs

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Können bewährte Designprinzipien für alles und für immer gelten? Woran erkennt man gutes Design? Dadurch, dass die designten Produkte erfolgreich sind? Dann wären Aldi-Einkaufstüten gutes Design. Wir wollen sicher mehr. Dieter Rams 10 Prinzipien guten Designs sind es wert, auf diese Frage­stellung hin untersucht zu werden. Wir alle profitieren noch heute von der Fort­führung und Anwendung dieser Ideen, wenn wir zu Apple Produkten (der Chef­designer Sir Jonathan Ive beruft sich darauf) greifen.

Ramms 10 Thesen für gutes Design

  1. Gutes Design ist innovativ.
  2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
  3. Gutes Design ist ästhetisch.
  4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich.
  5. Gutes Design ist unaufdringlich.
  6. Gutes Design ist ehrlich.
  7. Gutes Design ist langlebig.
  8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
  9. Gutes Design ist umweltfreundlich.
  10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.

Auf die Gefahr hin, dass ich Ihnen den Schwung nehme, die nachfolgenden Zeilen zu lesen, hier ein kleiner Film (auf englisch) über Rams und seinem Ethos:

Rams Thesen übersetzt für Webdesign

Design als mittlerweile hauptsächlich im industriellen Gebiet verwendete Gestaltung kann uni­ver­sell verstanden werden. Da das Design von Rams auf quantitave Merkmale verzichtet (fünf Zier­leis­ten sind wertvoller als eine?), kommen Qualitäten zur Sprache. Im folgenden will ich be­spre­chen, ob diese auf Webdesign anwendbar sind.

1. Innovativ, aber brauchbar

Innovation schützt vor Festlegung, Einengung und Verkrustung. Vorschriften und Eingleisigkeit werden von Kreativen gehasst. Bis vor kurzem tobte man sich in Flashorgien aus—der Kunde musste im Wettbewerb des Besonderen mitziehen. Heute besinnt man sich auf Usability und schnelle Ladezeit, was den Drang zu Exzessen spürbar gebremst hat. Das gewisse Extra an Schö­pfungs­kraft zeichnet allerdings auch gute Sites aus: es wird nicht das fertige Rezept über­nommen. Ist die Anordnung einer bedienbaren Gallery in Kreuzform zu innovativ, also un­brauch­bar? Jessica Caldwell probierts:

Jessica Caldwell innovative Site

2. Brauchbar ist gut

Eine gute Site muss funktionieren. Es nichts weiter als ein Stück Software, welche einen Zweck erfüllen muss. Heutzutage wird der Drang zur Funktion sehr deutlich. Insbesondere durch das Responsive Design versucht man, allen Medien gerecht zu werden. Da muss die Site einfach funktionieren, informieren und überflüssige Dekoration entfällt. Bei Chris ist jeweils ein Artikel mit einer großen Taste abrufbar.

Chris minimal

3. Ästhetik inklusive

Jeder Gestalter sollte ein besonderes Gefühl für Ästhetik besitzen. Natürlich ist Webdesign als Gestaltungsprodukt selten so langlebig wie etwa eine Architektur. Dennoch sollte man sich Gedanken über nachhaltiges Aussehen machen; wer braucht schon visuellen Trash? Websites sind kommunikative Produkte für Menschen und die Art guten Ausdrucks gehört zum Design dazu.

Ästhetik im Webdesign

4. Verständlichkeit

»Don’t make me think« ist das wichtigste Gesetz der Usability, also der Gebrauchsfähigkeit von Websites. Intuitives Verstehen kann von Details abhängen. Ein Farbe kann Stop oder Start signalisieren, eine Form Freundlichkeit oder Ablehnung usw. Die Verständlichkeit des Inhalts ist direkt von der Usability abhängig und nicht zu trennen. Folgen wir diesem Paradigma, gehorchen wir der Grundlage guten Designs. Tractorbeam zeigts.

Keine Traktoren

5. Bescheidenheit ist eine Zier

Ob »Unaufdringlichkeit« heutzutage als Qualitätsmerkmal anerkannt wird? Es gibt solche Seiten, aber diese gehören nicht zu den erfolgreichsten. Die Unterordnung des Designausdrucks zugunsten der Funktion ist vielleicht oldschool. Auch unbescheiden hoher Kontrast kann eine wichtige Rolle spielen. Von Natur aus unaufdringlich ist ein Butler oder ein Teppichboden. Websites sind allerdings Kommu­ni­ka­tions­instrumente. Sie können auch das Gegenteil von un­auf­dring­lich sein. Je länger man allerdings mit einer Sache zu tun hat, desto angenehmer findet man »unaufdringlich«. Hier eine Site dieser Art von Multiscreen Experiences.

Unaufdringlichkeit

6. Ehrlich

Mit ehrlich meint man im Design, dass keine falschen Funktionen oder Eigenschaften vor­ge­täuscht werden. Beispiel: »Raubtieraugen« durch die Abblendlichter moderner »Sportwagen« symbolisieren Aggressivität und Vorherrschaft. Allerdings kann auch die Täuschung einen Wert haben. Betrachten wir die allgegenwärtigen Metaphern des Screendesigns, wird deutlich, wie nützlich diese zum Verständnis sind. Ein Beispiel ist der Schattenwurf (zeigt Erhabenheit) eines Buttons (ein Bedienelement aus der Elektronikwelt). Seiten, die auf Metaphern verzichten, haben es schwer, als »richtige« Site verstanden zu werden.

Ehrliche Website

7. Gutes Design ist langlebig

Im Zeitalter von Ikea-Möbeln und sich selbst zersetzenden Jeanshosen traut man industriellen Produkten nicht viel Standing zu. Man kennt es gar nicht mehr. Langlebigkeit wird mit Spießigkeit gleichgesetzt. Das langlebige Buch ist unmodern, da es viele Inhalte im Internet gibt und diese ständig aktualisiert werden. Von der überragenden Qualität langlebiger Produkte erfährt man allerdings erst auf dem zweiten Blick. So ist es auch im Webdesign. Gute Produkte müssen Moden und der Zeitströmung wenig angepasst werden und bleiben bestehen.

Googledesign nachhaltig

8. Konsequenz im Detail

Gutes Design braucht Zeit. »Malebenschnell« führt hier wie anderswo zu kurzlebigen Katas­tro­phen. Zeit ist auch nötig für die nervenaufreibenden Details der Ausführung. Der große Wurf ist schnell gemacht. Im Kleinen kann Qualität sich beweisen. Dieser Anspruch ist gerade im Webdesign vonnöten, da auf geringem Platz Gutes geleistet werden muss. Nicht umsonst spricht man von »Pixelschubsern«. Ja, es ist so, wir müssen häufig um die Pixel kämpfen.

Flowerpixel

9. Umweltfreundlichkeit

Dass man die Umwelt nicht schädigen sollte, damit man deren Schädigung später nicht am eigenen Leib spürt, ist zur Binsenwahrheit geworden. Doch gibt es umweltfreundliche Sites? Wenn überhaupt, dann könnte man auf Nachhaltigkeit setzen, um nicht ständige Änderung und Neuerung zu provozieren. Ressourcenschonend ist auch eine geringe Ladezeit einer Site, was ein paar Elektronen weniger fliessen lässt. Mehr Informationsdichte und saubere Präsentation verringert den Aufwand der Produktion—ist auch irgendwie umweltschonend.

Schweizer Bank informiert

10. So wenig Design wie möglich

»Wenig Design zu machen« ist nicht möglich. Man designed und im Moment des Innehaltens ist der Designprozess beendete. Gibt es aber ein »überdesignen«? Mag schon sein. Nicht umsonst hat der Minimalismus nicht nur im Design Verbreitung gefunden. Weniger Design meint, die Hand­schrift des Designers nicht in den Vordergrund treten zu lassen. Weniger Design meint weniger Formung und mehr Ursprünglichkeit. Weniger Design klingt auch nach »Weniger ist mehr«.

Verkauf einfacher Produkte

Fazit

Lassen Sie die Aussagen von Rams auf sich wirken und vergleichen Sie einmal, ob Ihre Lieblings­site oder gar Ihre eigene diesen Anforderungen standhält? Meiner Meinung nach ist es sinnvoll, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten, dann erfüllen sich viele Designprinzipien wie von selbst. Klar, das bedeutet viel Arbeit, aber wozu haben wir unsere Leidenschaft?

Nützliche Links

Bibliothèque Design: Ten principles
10 Thesen // Rams Produkt Regalsystem kaufen
Webdesign meets Rams
Rams Produkte
Gute Erklärungen für Kunden: gutes Design nach Dieter Ramms Prinzipien.

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